Rückblick Lotus-Reise nach Hethel am 29./30. Juni 2018

Wir konnten es kaum erwarten: Auch für uns vier aus der Jensen Family war die Reise nach Hethel eine Première und nach vielen Vorbereitungen war es endlich soweit.

Frühmorgens ging’s los. Mit einer Gruppe von 30 Lotus-Fans sind wir im Privatjet von Zürich nach Norwich, im Osten von England, geflogen. Da wurden wir bereits von unserem Busfahrer erwartet. Auf direktem Weg fuhr er uns ins 400-Seelen-Dorf Hethel. Die Spannung und die Vorfreude waren spürbar, als der Bus in die legendäre Potash Lane einbog. Was uns wohl in den nächsten zwei Tagen erwarten würde?

 

Die Zufahrt zum Lotus-Werksareal wirkt eher unspektakulär. Doch das hat einen Grund, wie wir später erfahren sollten: Colin Chapman hatte grossen Wert darauf gelegt, dass die wichtigen Gäste, die aus der Luft ankamen (die jetzige hauseigene Rennstrecke war mal ein Flugfeld), das Areal von seiner besten Seite sahen. Die gegenüberliegende Einfahrt aus der Strasse wurde vernachlässigt und daran hat sich bei Lotus bis heute nichts geändert. Hier hält man nichts von einem pompösen Empfang. Wenn nicht ein Security-Wächter die Zufahrt kontrollieren und auf das strickte Fotoverbot hinweisen würde, käme man kaum auf die Idee, dass hier die legendären englischen Sportwagen gebaut werden. Viel sieht man nicht und man kann nur erahnen, was sich in den grauen Hallen befindet, an denen wir vorbei fuhren, um zur Lotus Driving Academy zu gelangen.

 

Das Team der Lotus Driving Academy empfing uns sehr herzlich und nach einen kurzen Instruktion und der Einteilung in zwei Gruppen, ging’s direkt los: Die eine Gruppe machte sich auf den Weg, das Werk zu besichtigen, während die andere Gruppe die Helme fasste und in Dreiergruppen Rennstreckenluft auf dem hauseigenen Track schnupperte. Mit einem Instruktor auf dem Beifahrersitz wurden Exige und Evora zuerst kennengelernt. Doch schon bald wurden die Motorengeräusche lauter, Grenzen ausgelotet und die Sportwagen deutlich schneller um die Kurven gejagt. Der Adrenalinspiegel war hoch und für die Schweissperlen auf der Stirn nicht nur das warme, untypische englische Sommerwetter verantwortlich.

 

Nach einem kleinen Imbiss wurde am Nachmittag gewechselt. Die Rennfahrer vom Morgen durften sich von einem langjährigen, passionierten Lotus-Mitarbeiter, der wirklich auf jede Frage eine Antwort wusste und viel aus dem Nähkästchen plauderte, durch die heiligen Hallen der Produktion führen lassen. Beeindruckt waren wohl die meisten davon, wieviel Handarbeit noch in jedem Lotus steckt. Und mit wieviel Herzblut jeder einzelne Mitarbeiter dabei ist. Hier baut man Autos aus und mit Leidenschaft.

 

Zum Abschluss durften alle Gäste auf den Beifahrersitz eines Instruktors Platz nehmen und sich zeigen lassen, wie Exige und Evora artgerecht bewegt werden. Das breite Grinsen der Beifahrer nach der Fahrt war auch beim Check-in im Hotel noch nicht verflogen…

 

Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem kühlen Bierchen an der Bar ging es zum gemeinsamen Abendessen. Gemütlich liessen wir den Abend ausklingen. Die einen früher, die anderen etwas später, aber alle mit tollen Eindrücken vom Tag.

 

Am nächsten Morgen waren dann alle wieder startklar für den zweiten Tag. Der Besuch des Classic Team Lotus stand auf dem Programm. Das Classic Team Lotus wird von Clive Chapman, dem Sohn des Lotus Gründers, geführt. In der altehrwürdigen Werkstatt werden von seinem Team noch heute Lotus Fahrzeuge aus Rennsportzeiten gepflegt und gewartet.

 

Beim Betreten der heiligen Hallen hat man das Gefühl, man sei bei einem guten Kumpel in der Werkstatt. Ein Hauch von Benzin liegt in der Luft. Noch bevor man zur Werkstatt gelangt, läuft man mitten durch sein Büro. Mit 30 Leuten in unserer Gruppe war der Raum dann auch mehr als voll. Was man zu sehen bekommt, ist immer eine Überraschung, werden hier doch Kundenfahrzeuge genauso gewartet, wie eigene Klassiker.

 

Bei unserem Besuch standen unter anderem ein Lotus Type 81 (das durch Lotus in die Formel 1 gebrachte Monocoque aus Alu war deutlich zu erkennen), ein Type 88 (mit umstrittenem und später für illegal erklärtem Doppelchassis) und einer von nur zwei gebauten Type 92. Doch der Mitarbeiter, der uns in die Vergangenheit von Lotus mitnahm und selbst den grössten Lotus-Fan noch mit spannenden Geschichten und Hintergrundinfos beeindrucken konnte, war der eigentliche Star des Besuchs. Selten trifft man jemanden, der so fundiert und ausführlich auf sämtliche Fragen eine Antwort weiss. Er zog alle in seinen Bann und liess die Gäste so an den glorreichen Rennsportzeiten teilhaben.

 

Nach einem Lunch und einem letzten Blick auf die Teststrecke ging‘s per Bus ab ins nächste Pub. Im lauschigen Garten gönnten wir uns eine kurze Verschnaufpause, bevor es dann auf zur Sightseeing-Tour in Norwich ging. Spannende Guides führten uns zu Fuss durch die historische Stadt. Anschliessend wurden wir zum Flughafen zurück gefahren, wo noch immer unser Jet stand und die sympathische Crew auf uns wartete. Die Passagiere durften während dem Flug auf einen Blick und einen kurzen Schwatz im Cockpit vorbeischauen und einen spektakulären Landeanflug über den Zürichsee geniessen. Vollbepackt mit unvergesslichen Erinnerungen machten sich die Gäste dann auf den Heimweg.

 

Es waren zwei tolle Tage mit einer super Gruppe, die auch untereinander viel Spass hatte und neue Kontakte knüpfen konnte. Wir freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen mit euch!